Das Modem hat heute fast ausgedient. Ein Blick zurück

ertstellt: 21.04.2011
Zum Thema:  Datenübertragungen | DSL | ISDN

Eines vorweg: Das Modem wird uns noch lange erhalten bleiben, nur seine Formen wandeln sich. Die Tatsache, dass es aus den Worten Modulator und Demodulator zusammengesetzt ist, gibt einen ersten entscheidenden Hinweis auf Zweck und Funktionsweise. Ohne an dieser Stelle die technischen Prinzipien in aller Tiefe ergründen zu wollen, liegt die besondere Leistung des einst revolutionären Gerätes darin, an ein analoges Signal digitale Informationen zu knüpfen. Dabei nimmt beim Absender eine Trägerfrequenz die zu übermittelnden Bits - d. h. Binary Digits, die den Wert 0 oder 1 annehmen können - gewissermaßen huckepack (= moduliert). Anschließend werden diese Informationen beim Empfänger wieder entpackt (= demoduliert).

computergeschichten

© P.C. - Fotolia.com

Diese - angesichts der gegenwärtigen Komplexität der Informationstechnik – so einfache wie geniale Idee, hat seine Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Wandschrankgroße Funkschreiber sendeten erstmals per Radiowellen oder Telefonleitungen digitale Signale verlustfrei über große Entfernungen. Dabei erreichten sie eine Übertragungsgeschwindigkeit von gut 100 Bits pro Sekunde (bps). Die ersten kommerziellen Geräte kamen Ende der 1950er Jahre auf den Markt, blieben aber aufgrund der hohen Kosten, der beschränkten Anwendungsbereiche und der geringen Verbreitung lange einer Minderheit vorbehalten. Privathaushalte partizipierten in den ersten drei Jahrzehnten kaum, Firmen und Behörden dagegen nutzen die neue Technik bereits früh. Der Hersteller AT&T besaß zudem bis 1984 ein Entwicklungs-, Produktions- und Vertriebsmonopol in den USA, dem für Jahrzehnte bedeutendsten Markt für Modems. Erst Ende der 70er Jahre begannen Konkurrenzunternehmen, die marktbeherrschende Stellung von AT&T infrage zu stellen. Um das Patentmonopol zu umgehen, wurden sogenannte Akustikkoppler entwickelt, die nicht mehr in die Telefonanlagen integriert waren. Stattdessen wurde der Hörer auf eine Modemstation aufgelegt, welche die Modulation bzw. die Demodulation vornahm. Jahre später erreichten Modelle dieser Art eine Übertragungsgeschwindigkeit von zu 30.000 bps und mehr. 1981 schließlich begann mit dem Hayes Stack Smartmodem das Zeitalter des Computermodems. Die neue Generation wurde von Herstellern wie Apple, Atari, Commodore und schließlich vor allem IBM dominiert. Doch es dauerte noch bis Mitte der 1980er Jahre bis die internen PCI-Modems die anfangs noch schnelleren externen Modelle verdrängten. In diese Zeit fällt auch das erstmalige Absenden und Empfangen von Faxnachrichten über die Modemtechnologie.

Im Laufe der 90er Jahre schließlich setzt die kommerzielle Revolution ein. Modems werden billiger, kleiner und kompatibler. Sprachübertragung wird möglich und fünf Jahre später gelingt endlich eine Datenübertragung mit 56 kbps. Damit sind Modems schneller, als die theoretische Übertragungsgeschwindigkeit analoger Telefonleitungen. Anfang des neuen Jahrtausends ersetzt die Breitbandtechnologie das Schmalband. Eine manuelle Einwahl ist nicht mehr nötig und neue Verbindungsarten wie ISDN, DSL und Kabel übertreten die Grenzen analoger Modems. Router, Glasfaserkabel, Drahtlosnetzwerke und UMTS sind vielleicht die Begriffe der Zukunft. Das Modem hingegen wird immer unsichtbarer werden, ganz verschwinden wird es jedoch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren
 
vernetzt|pid-1288281|aid-433941